Rede, Jochen Beyer, Personalrat der Ruhr-Uni
Kundgebung "Anklagebank statt Lehrstuhl"
Donnerstag, 10.07.03, 17.30 Uhr, Haus der Geschichte
des Ruhrgebiets


Liebe Freundinnen und Freunde

Die Gastprofessur von Mesut Yilmaz, - dem mehrmaligen Ministerpräsidenten der Türkei, - ist ein schwarzer Fleck auf der Weste der Ruhr-Universität-Bochum!

Mesut Yilmaz wird die politische und moralische Mitverantwortung für schwerste Menschenrechtsverbrechen - in den 90er Jahren, als er an der Spitze der Regierung stand - zur Last gelegt. Wegen seinen Verbindungen zum organisierten Verbrechen musste er 1998 sein Amt als Ministerpräsident aufgeben.

Hier handelt es sich nicht um oberflächliche Behauptungen, sondern um beweisbare Vorwürfe und genaue Recherchen von verschiedenen Menschenrechtsorganisationen.

Jetzt wirft ihm ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in der Türkei verschiedene Korruptionsverbrechen vor und aus seiner eigenen Partei fordern Mitglieder ihn auf, er solle sich dem Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof stellen.

Dies ist auch der Universitätsleitung bekannt trotzdem zieht sie die Gastprofessur nicht zurück!

Würde man einen Herrn Milosevic oder einem Herrn Hussein eine ähnliche Einladung zukommen lassen? Auch sie haben sich nicht persönlich die Finger dreckig gemacht, - und werden zu Recht für Menschenrechtsverbrechen verantwortlich gemacht. Sicher würden sie, auch wenn sie noch so gute Experten für bestimmte Fragen wären, nicht eine Gastprofessur erhalten - denn in der Öffentlichkeit haben sie das Ansehen von Verbrechern gegen die Menschlichkeit!

Gastprofessuren sind ein Aushängeschild für Universitäten und formen das Bild einer Universität mit.

Müssen nicht an Professuren, auch an Gastprofessuren, mehr und höhere Maßstäbe angelegt werden als fachliche Kompetenz auf einem Gebiet? Gehört nicht auch moralische Integrität dazu? Hat ihr Ruf nicht etwas mit Sachlichkeit; Wissenschaftlichkeit, Gerechtigkeit, Toleranz - mit gesellschaftlichen Werten zu tun?

Als Personalräte ist uns das Bild, das die Universität in der Öffentlichkeit abgibt, nicht egal, deshalb haben auch wir uns mit der Gastprofessur von Herrn Yilmaz beschäftigt!

Wir - Personalräte der Ruhr-Uni-Bochum - können nicht verstehen, warum gerade die Fakultät der Sozialwissenschaften Mesut Yilmaz die Gastprofessur verliehen hat? Gerade in dieser Fakultät dürfte die Politik der türkischen Regierung unter Yilmaz und die Menschenrechtssituation in der Türkei bekannt sein!

Wir können nicht verstehen, warum die Universitätsleitung sich nicht mit den seit Monaten vorgebrachten Vorwürfen auseinandersetzt, - den Dialog sucht - und die richtige Konsequenz zieht - Herrn Yilmaz wieder auszuladen!

Wir können dies vor allem nicht verstehen vor dem Hintergrund des positiven Verhaltens des Rektors und einer großen Zahl von Wissenschaftlern gegen den Krieg des Herrn Bush und Blair gegen den IRAK vor ein paar Monaten!

Es gibt mit Sicherheit andere hervorragende Experten als Mesut Yilmaz, die zu Themen - wie das Verhältnis der Türkei zur Europäischen Union - usw. referieren könnten - oder spielen eventuell die guten Verbindungen des Herrn Yilmaz zur Industrie eine wichtige Rolle?

Wir haben uns entschieden, die Protestaktion des Bündnisses für Menschenrechte an der Ruhr-Universität-Bochum zu unterstützen!

Wir halten die Forderung nach Aufarbeitung und rechtsstaatlicher Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in der Türkei für absolut nötig im Interesse der Opfer und der Gerechtigkeit! Eine Forderung, die von der Universität unterstützt werden müsste!

Doch durch das Verhalten der Universitätsleitung befürchten wir eine Schädigung des Ansehens und des Rufs der Ruhr-Universität-Bochum und empfinden dies als Affront besonders gegen die kurdischen und türkischen Studierenden.

Wir fordern Herrn Yilmaz auf, soviel Anstand zu besitzen und seine Gastprofessur zurückzugeben!


Danke.